Die Oder

Die Oder gehört nebn der Donau, Rhein und Elbe zu den 4 großen Flüssen in Deutschland. Das Einzugsgebiet von 118.890 km2 liegt zu 89% in Polen, 6% in Tschechien und nur zu knapp 5% in Deutschland. Preußische Könige haben sich in der Vergangenheit den Oderraum schrittweise angeeigent und bereits in den Jahren 1747-1753 mit der Begradigung des Flüsses begonnen. Ab 1819 begann die Regulierung des Oderstroms durch den Bau von Buhnen. Mit dem Kriegsende 1945 wurde der Großteil des Einzugsgebietes polnisches Territorium. Wegen der Grenzlage und auch aus Angst vor Rückforderungen wurde die Infrastruktur an der Oder während der Zeit der Volksrepublik Polen kaum modernisiert. Auch im Landesinnern wurde die Unterhaltung aus Mangel an Finanzen auf ein Minimum zurückgefahren. Erst nach 1990 und besonders seit den 2000 Jahren werden neue Investitionen geplant und getätigt. Durch die historischen Umstände konnte die Oder jedoch noch viel ihrer ursprünglichen Naturausstattung bewaren und teilweise, wie im Zwischenoderland südlich von Stettin, zurückerobern. Diese Entwicklung wurde jedoch vor allem von Naturschützern und Erholungssuchenden gewürdigt. Die öffentliche Wahrnehmung in Polen ist – teils durch Wirtschaftsinteressen beeinflusst – geprägt von dem Bild einer maroden Wasserstraße, auf der einst viele Schiffe fuhren. Das Problem für die Schifffahrt auf der Oder sind vor allem die Niedrigwasserzeiten und die Versandung der Fahrrinne. Nach dem katastrophalen Oderhochwasser 1997 wurde 2001 das “Programm für die Oder – 2006″ beschlossen. Es beinhaltetet die Modernisierung der hydrotechnischen Infrastruktur, der Hochwasserschutzanlagen, die Entwicklung der Binnenschifffahrt und der energetischen Nutzung der Oder. Naturschutz spielt in dem Programm kaum eine Rolle. Die Maßnahmen wurden bis heute zum Glück noch nicht alle umgesetzt. Jedoch gibt es bereits ein neues Programm, das noch ehrgeizigere Ziele steckt: Leitlinien für die Entwicklungspläne der Binnenwasserstraßen in den Jahren 2016-2020, mit Perspektive bis 2030. Dieses Programm beinhaltet den Ausbau eines Wasserstraßennetzes für große Küstenmoterschiffe in ganz Polen. Es beinhaltet auch den Ausbau anderer Flüsse wie der Weichsel und des Bugs, die bisher kaum angetastet wurden und einen Zustand ausweisen, den die Oder trotz Schutzbemühungen vermutlich nie wieder erreichen wird. An der Oder, einschließlich des Grenzbereiches, sollen mehrere Staustufen gebaut werden, um eine Fahrrinnentiefe von 2,5 m zu erreichen. Bisher wird die Marke von 1,80 m nur bei guter Wasserführung erreicht. Die Pläne berücksichtigen nicht den Schutz der wasserabhängigen FFH-Gebiete entlang der Oder und auch nicht den Wassermangel in den Sommermonaten. Gegen diese Pläne und für eine angepasste Schifffahrt hat sich ein Bündnis von Naturschutzorganisationen gebildet. Auch der ALNUS ist Teil des Bündnisses: http://www.ratujmyrzeki.pl/o-koalicji/koalicjanci

Die Oder ermöglicht Langdistanzwanderfischen den Aufstieg zu ihren Laichgewässern. Der Aufstieg in das Finowsystem ist durch viele unpassierbare Schleusen behindert. Ein Fisch, der aus der Ostssee beispielsweise in die Schwärze aufsteigen möchte, muss die Untere Oder aufschwimmen, dann nördlich von Schwedt die Stromoder verlassen und in die Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße (HoFriWa) einbiegen. Der weitere Weg in den Finowkanal ist durch mehrere Schleusen behindert, die meist keine Fischaufstiegsmögleichkeiten besitzen. Bis zur Schwärze müssen die Lieper Schleue, Stecher-Schleuse, Ragöser Schleuse und die Stadtschleuse überwunden werden. Bisher hat nur die Stecher-Schleuse eine Fischaufstiegsanlage, bei der jedoch die Funktionsfähigkeit, in Frage gestellt wird.

 

 

 

Zuletzt geändert am 4. Oktober 2017