Das Wasser weiß selbst, wo es hingehört!?

Die “Alnus on Tour”-Tour ging diesen Sonntag ins zauberhafte Finowtal östlich von Eberswalde. Wasser zwischen Planungwillen und Selbstbestimmung. Ersteres überwiegt in unserer Kulturlandschaft, aber Zweiteres kann auch in Einklang mit den menschlichen Interessen stehen und ist zudem eine unerschöpfliche Kraft.

Wir befinden uns im Finowtal in einer stark vom Menschen gestalteten Landschaft, die aber zunehmend auch den natürlichen Prozessen Platz bietet.

Stefan Reimann erklärt die Maßnahme zur Herstellung der Durchgängigkeit an der Ragöse

Stefan Reimann erklärt die Maßnahme zur Herstellung der Durchgängigkeit an der Ragöse

Die ExkursionsteilnehmerInnen mit ganz unterschiedlichen Vorwissen, von Gewässer-Crack bis Software-Programmierer, wurden zunächst an die Ragöse, einem sehr naturnahen Gewässer, geführt. Im seinem Münungsbereich in den Finowkanal hat über lange Zeit ein Forellenhof ein Teil des Wassers für die Forellenzucht bzw. Hälterung verwendet. Hierfür wurde das Wassre angestaut, um es der Anlage zuzuleiten. In einer Baumaßnahme des Wasser- und Bodenverbandes (WBV) Finowfließ, die diesen Januar abgeschlossen wurde, ist der Flussverlauf durch viele Mäander um 600 m verlängert worden. Somit gewann der Fluss mehr Raum, um sich in Zukunft selbst in dem vernässten Erlenbruch seinen Weg zu bahnen. Das Wasser, das bisher durch die stillgelegte Forellenanlage floss, wird in Zukunft fast komplett der Ragöse zugeleitet. Stefan Reimann, der als Ingenieur vom WBV die Maßnahme begleitet hat, erklärte uns, welche Kompromisse gemacht werden mussten, um alle Ansprüche zufrieden zu stellen und trotzdem noch eine Verbesserung für die Natur zu erzielen. Der Ergebnis ist erstaunlich gelungen. Nach der Abnahme durch die Geldgeber wird das Terrain zur weiteren Gestaltung dem Biber übergeben.

Baumeister Natur, soweit sind wir nicht eingedrungen

Baumeister Natur, soweit sind wir nicht eingedrungen

Die Ragöse fließt in den Finowkanal, hier endet die Zuständigkeit des Wasser- und Bodenverbandes und beginnt die des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Dieses ist dazu verpflichtet den Finowkanal für wandernde Organismen durchgängig zu gestalten. Davon profitieren u.a. die vom Aussterben bedrohten Aale und Meerforellen. Die Schleusen mit ihren Abstürzen zwischen 2 und 4 Metern bilden zur Zeit ein unüberwindbares Wanderhindernis für alle wandernden Wasser-Organismen. Die ökologische Durchgängigkeit soll in Zukunft durch Fischaufstiegsanlagen ermöglicht werden. Diese Investition muss getan werden, wenn Schleusenbetrieb und Fischaufstieg unter einen Hut gebracht werden sollen. Die Wasserabfluss im Kanal würde dann etwa 50/50 für Schleuse und Fischaufstiegsanlage verwendet werden. Im Finowtal gibt es aber noch eine Besonderheit, einen Altarm der Finow. Mit der Extensivierung der Grünlandnutzung und der Errichtung erster Staue durch die HNE Anfang der 90er Jahr begann eine allmähliche Vernässung der zentralen Bereiche des Tales. Dies geschah zum Zwecke des Moorschutzes und auch ganz im Sinne ruhebedürftiger Tiere, die in dem unzugänglichen Erlen- und Weidensumpf Zuflucht finden. Von der Bahnstrecke aus kann man noch sehr gut einen erhaltenen Altarm erkennen: Die Finow war mal ein Fluss etwa doppelt so breit wie die Schwärze. Die Wanderung dorthin führte durch die schöne und abwechslungsreiche Wiesenlandschaft des Finowtales.

Ein erfrischender Sommerschauer

Ein erfrischender Sommerschauer

Zurück zum Anfang: Planungswille contra Selbstbestimmung. NaturschützerInnen sind nicht frei von dem Gestaltungswillen über die Natur, oft sogar im Gegenteil. Der Finowkanal ist aber nun mal ein künstliches System, dass nur durch laufende Unterhaltung am Funktionieren gehalten wird. Wenn die Finow ab der Ragöser Schleuse durch die Alte Finow wieder frei Richtung Oder abfließen könnte, wäre zumindest teilweise der Natur ein Stück Selbstbestimmung zurückgegeben. Bis dahin müssen noch viele Probleme geklärt und Kompromisse geschlossen werden. Dennoch ist es ein fernes Ziel, dass auch Planer anstreben, um Fisch-Durchgängigkeit und Naturentwicklung im Finowtal auf natürliche Weise zu ermöglichen. Abgesehen von dieser abstrakten Ebene bildet das Tal jetzt schon eines der schönsten Ausflugsziele am Eberswalder Stadtrand, dass nur wenigen bekannt ist!

Das Interesse für Wasser-Fragen wächst zunehmend und die Mitglieder des Alnus werden die weitere Entwicklung gespannt beobachten. Für viele Entscheidungen braucht es Anstoß aus der Zivilgesellschaft. Wenn du auch aktiv werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an den Alnus und besuche unsere Treffen! :)

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